Praktiken des Gelingens

Praktiken des Gelingens

Bei Trink—Genosse arbeiten wir mit sehr vielen Menschen zusammen. Wir diskutieren mit sehr vielen Menschen. Wir treffen gemeinsame Entscheidungen mit sehr vielen Menschen. Damit uns das auch gelingt, haben wir uns auf Spielregeln geeinigt. Bei uns heißen diese „Praktiken des Gelingens“ und sind unsere Bausteine für ein konstruktives, wertschätzendes und würdiges Miteinander auf Augenhöhe.

Praktik des Gelingens #1: Alle geben ihr Bestes – immer

Alle geben ihr Bestes – immer, nach eigenem Ermessen und kontextabhängig. Das bedeutet nicht, dass es das Beste für die Sache ist. Es heißt auch nicht, dass das Beste keine Konsequenzen hätte. Ich werte eine Person oder ihr Verhalten nicht ab, sondern unterhalte mich mit ihr über den idealen Zielzustand der Sache, so können wir beide voneinander lernen. In dem Moment sind beide wieder Expert*innen (ohne persönliche Abwertung und auf Augenhöhe). Ich unterstütze andere dabei, über sich hinauszuwachsen und dazuzulernen.

Praktik des Gelingens #2: Wir teilen uns die Verantwortung

Wir teilen uns die Verantwortung für die Qualität unserer Gesellschaft, für die Qualität eines Projekts oder für die eines Meetings. Wir haben keine*n Chef*in und keine*n Anführer*in. Alle sind gleichermaßen für das Gelingen unseres Vorhabens verantwortlich. Wenn etwas nicht so läuft, wie ich es mir vorgestellt habe, liegt es auch in meiner Verantwortung, darauf hinzuweisen, oder Veränderungen zu initiieren. Die persönliche Verantwortung sehen wir als Privileg.

Praktik des Gelingens #3: Kollektive Intelligenz ist cool

Ich vertraue auf die Weisheit der Gruppe. Unser Schwarm ist nämlich ziemlich schlau. Jede*r bringt das ein, was er*sie kann und weiß. Dadurch sind wir quasi unschlagbar! Das heißt aber nicht, dass es nicht auch eine kollektive Dummheit gibt. Damit das nicht passiert, bleiben wir offen für Menschen, Meinungen und Perspektiven. Das Wissen um Lösungen komplexer Probleme liegt bereits in der Welt, es ist nur ungleich verteilt. Darum ist es sinnvoll, Lernreisen zu machen, die eigenen Kontexte zu verlassen, um Neues zu entdecken.

Praktik des Gelingens #4: Wir unterstellen uns eine gute Absicht

Jede*r von uns möchte Gutes in unser Projekt einbringen. Auch wenn mal etwas schief gehen sollte, es war bestimmt nicht schlecht gemeint. Wenn ich mit der Haltung in die Gruppe gehe, dass jede*r ihr*sein bestes gibt, kann ich andere Fragen stellen und mit Neugier erkunden, welche Gedanken mein Gegenüber beschäftigen. Diese Praktik unterstützt mich dabei ohne menschliche Abwertung auszukommen.

Praktik des Gelingens #5: Ich höre aufmerksam zu

Ich höre den anderen aktiv zu – mit Neugier und Mitgefühl. Ich übe mich darin, meine Mitmenschen aussprechen zu lassen und Denkpausen zuzulassen, um wirklich zu verstehen.

Praktik des Gelingens #6: Ich spreche mit Intention

Meine Beiträge sind konstruktiv und wertschätzend formuliert. Ich kann frei sprechen, wenn ich etwas zu sagen habe, was dem Gruppendialog dient. Dabei frage ich mich: Was kann ich zu einem gelingenden Dialog beitragen? Wenn ich spreche, dann um einen echten Beitrag zu leisten.

Und natürlich lasse ich andere aussprechen.

Praktik des Gelingens #7: Pünktlichkeit ist Wertschätzung

Unsere Zeit ist kostbar. Indem wir unsere Treffen pünktlich beginnen und beenden, zeigen wir, dass wir die Zeit unserer Mitmenschen wertschätzen. Wenn wir die Diskussion mit Zeitfenstern (Timeboxes) strukturieren, achte ich darauf, dass diese eingehalten werden, damit alle Themen die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdient haben.

Praktik des Gelingens #8: Keine Devices im Kreis

Wenn wir uns treffen, widme ich den anderen die volle Aufmerksamkeit und lasse mein Smartphone in der Tasche. Damit ehre ich die Gruppe, ihre Zeit und ihre Anwesenheit.

Praktik des Gelingens #9: Ich gebe, was ich kann

Jede*r bringt sich mit seinen*ihren Fähigkeiten, Wissen und Erfahrungen ein. Dabei achte ich auf meine Ressourcen und persönlichen Grenzen. Nach Hilfe zu Fragen ist meine Stärke, von der ich immer Gebrauch machen kann. Körperliche und seelische Gesundheit sind wichtig, sie sind die Grundlage für ein gesundes, würdiges und funktionierendes Arbeitsumfeld.

Praktik des Gelingens #10: Ich frage nach dem, was ich brauche

Ich komme an einem Punkt nicht weiter, weil mir etwas fehlt. Wissen, Werkzeuge, Zeit… Ich frage die anderen, ob mir jemand helfen kann, damit wir unser gemeinsames Ziel erreichen können.

Praktik des Gelingens #11: Persönliche Geschichten bleiben im Raum

Wir teilen nicht nur Zeit und Wissen miteinander, sondern auch Erfahrungen und Geschichten. Unser Raum ist ein Safe Space, ich kann mich darauf verlassen, dass das, was ich teile, den Raum nicht verlässt.

Text: Louisa Manz, Jan Buckenmayer, Kai Berthold

Abbildungen: Kai Berthold

Quellen: Inspiriert durch die Kommunikationslotsen
The Circle Way: A Leader in Every Chair; Ann Linnea, Christina Baldwin, ReadHowYouWant, 2000,
ISBN 978-1-4596-2664-5