Check In — Check Out

Wenn wir uns in einer größeren Runde treffen, zum Beispiel beim Plenum oder größeren Arbeitsgruppentreffen, machen wir zu Beginn einen Check In und enden mit einem Check Out. Sind wir hier am Flughafen!? Was ist das eigentlich? Und wozu ist das gut? 

Check In

Wir sitzen bei unseren Treffen immer im Kreis (so gut es die Räumlichkeiten ermöglichen), sodass jede*r jede*n sehen und hören kann. Die Arbeit im Kreis, basiert auf den Erfahrungen von Christina Baldwin und Ann Linea, die seit nun mehr als 18 Jahren an der Form des Kreises forschen und unter dem Namen The Circle Way PeerSpirit bekannt gemacht haben. The Circle Way ist Basis für eine wachsenden Anzahl von Methoden, die alle auf der Kreisform basieren: World Café, Open Space, Art of Hosting, u.a.

Die Kreisform bildet kulturgeschichtlich seit jeher den ersten sozialen Container, in dem sich Menschen auf Augenhöhe begegnen, um Geschichten, Wissen und Erfahrungen zu teilen und um sich zu organisieren. Diese Ausgangslage macht sich der Kreis zu nutze, um eben eine neue, wertschätzende, anerkennende Dialogkultur auf Augenhöhe zu ermöglichen. Die Kreisform sorgt dafür, dass die Kommunikation formaler abläuft als in Alltagsgesprächen, auch wenn der Inhalt derselbe ist. Nicht nur wo wir sitzen – auch wie wir sitzen, nimmt Einfluss auf den Gesprächsverlauf.

Reihum werden zwei Fragen beantwortet, die variieren können. Meist sind es “Wie bin ich heute hier?” und “Was beschäftigt mich gerade?”. Die Person, die beginnen möchte, macht den Anfang. Oft haben wir ein Redeobjekt dabei, das regelt, dass nur die Person, die das Objekt (einen Stift, einen Stock aus dem Park…) in der Hand hält, gerade redet und alle anderen zuhören.

Wenn beim Check In alle etwas sagen, holen wir alle Stimmen einmal in den Raum. Auch diejenigen, die vielleicht in einer Diskussion zurückhaltender sind, werden so ein Teil der Gruppe und erhalten die Möglichkeit sich einzubringen.

“Wie bin ich heute hier?”

Das hat wenig damit zu tun, mit welchem Verkehrsmittel du angereist bist, aber wenn es dir wichtig ist, kannst du uns natürlich auch das erzählen. Es geht viel mehr darum, wie es dir geht. 

Was beschäftigt mich gerade (emotional, körperlich, beruflich, familiär, etc.)? Wie und mit welcher Intention bin ich heute hier? Das hilft uns, gegenseitiges Verständnis für die Verfasstheit unserer Mitmenschen aufzubringen, für deren Situation, Motivation und Energielevel.

Wie war dein Tag bisher? Hast du etwas Tolles erlebt, das du mit allen teilen möchtest? Hattest du Stress im Büro und kannst dich jetzt in der Runde nicht mehr so intensiv einbringen, wie du es vielleicht sonst tun würdest?

In der Runde teilen wir miteinander und wir nehmen Rücksicht aufeinander. Deine Antwort auf diese Frage hilft allen anderen, besser einordnen zu können, warum du in einer Diskussion so reagierst wie du reagierst und womit das zu tun haben könnte. Es erleichtert den anderen zum Beispiel, deine Ungeduld nach einem stressigen Tag besser verstehen zu können, weil sie wissen, dass es nicht unbedingt etwas mit dem Treffen zu tun hat.

Vielleicht beteiligst du dich sonst sehr aktiv an Diskussionen und bist heute sehr ruhig. Nicht, weil das Thema dich nicht interessiert, sondern weil du einfach müde bist. 

Wenn du schöne Dinge aus deinem Alltag mit uns teilst, können wir uns einfach mit dir freuen!

“Was beschäftigt mich gerade?”

Was geistert im Moment durch deinen Kopf? Gibt es Dinge, die du noch erledigen musst? Kommst du gerade aus der Bibliothek und steckst tief in deiner Abschlussarbeit? Was auch immer es ist, indem du es aussprichst, gibst du dir selbst die Möglichkeit, diese Gedanken für die Zeit des Treffens nach hinten zu stellen und dich auf den gemeinsamen Dialog zu konzentrieren. Wenn das nicht gelingt, ist es auch nicht schlimm. Alle anderen wissen, dass da gerade etwas ist.

Check Out

Wenn es einen Check In gibt, muss es auch einen Check Out geben, damit sich der Kreis schließt. Zum Abschluss unserer Diskussion machen wir den Check Out, um gemeinsam einen Schlusspunkt zu setzen.

Wir reflektieren gemeinsam, was wir aus dem Treffen mitnehmen und wie es weiter geht. Was haben wir gelernt?

Auch hier geht es wieder reihum, damit jede*r zu Wort kommt.

Quellen und Links

  • Circle: Die Kraft des Kreises – Gespräche und Meetings inspirierend, schöpferisch und effektiv gestalten; Baldwin, Christina; Linnea, Ann; Beltz Weiterbildung, 1. Auflage 2014; 978-3-407-36557-6
  • Lernlandkarte Nr. 9 – The Circle Way; Scholz, Holger., Vesper, Roswitha; mit Unterstützung von Christina Baldwin und Ann Linnea (beide PeerSpirit); Neuland, Eichenzell, 2008, ISBN: 978-3940315205
  • Facilitative Thinking Karten; Scholz, Holger; Kommunikationslotsen; 2019
  • Mehr über die Arbeit im Kreis von Christina Baldwin und Ann Linea und ihr Lebenswerk: PeerSpirit